Erfahrungsbericht Team 2018

Team 2018

Von links nach rechts: Lea Paustian, Tom Wittke, Berit Jens, Clemens Dorsel und Anna Barckhausen

 

Der Phillip C. Jessup International Law Moot Court wurde 1959 gegründet und ist der größte und älteste völkerrechtliche Moot Court weltweit. Etwa 1500 Studierende von über 550 Universitäten nehmen jährlich daran teil, wie auch das Walther-Schücking-Institut (WSI) für Internationales Recht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Vorbereitungen

Am 15. September 2017 wurde der diesjährige Sachverhalt von der International Law Students Association (ILSA) veröffentlicht. The Case concerning the Egart and the Ibra betraf die beiden fiktiven Staaten Anduchenca (Applicant) und Rukaruku (Respondent). Der Fall drehte sich um ein autonomes Unterwasserfahrzeug (The Egart) und ein mit nuklearen Waffen bestücktes U-Boot (The Ibra).

Dabei wurden viele völkerrechtliche Probleme aufgeworfen, u.a. die Nichtigkeit von schiedsgerichtlichen Urteilen, die Nutzung von Unterwasserfahrzeugen und deren Recht auf friedliche Durchfahrt, nukleare Abrüstung und die gewohnheitsrechtliche Bedeutung des Atomwaffensperrvertrages, die Auslegung von Sicherheitsratsresolutionen sowie das Seekriegsrecht.

Diese Probleme wurden von uns bis zum Tag der Abgabe der Schriftsätze am 12. Januar 2018 intensiv bearbeitet. Zwar waren die Weihnachtsfeiertage mit der Familie dieses Jahr sehr kurz, aber trotz und gerade wegen des hohen Arbeitspensums und Schlafmangels, wuchs das Team in den vier Monaten durch gemeinsame Fehlschläge und Erfolge immer enger zusammen. Die Belohnung war ein euphorisches Gefühl nach der Einreichung des Memorials beim National Administrator.

Nach einer kurzen Verschnaufpause begann die Vorbereitung auf die mündliche Verhandlung Anfang März. In diesem Jahr hatten wir das Glück, dass der nationale Vorentscheid in Kiel ausgetragen wurde und wir somit das Heimteam waren.

Zur Vorbereitung wurde jeden Tag eine Verhandlung vor dem Internationalen Gerichtshof simuliert. Dabei waren uns die Mitarbeiter und Freunde des Walther-Schücking-Instituts eine große Unterstützung. Für ein Intensiv-Training fuhren wir zwei Tage in das mit der juristischen Fakultät verbundene Otto-Bagge-Kolleg in Sehlendorf.

Kurz vor Beginn des Wettbewerbes hatten wir dann die Gelegenheit außerhalb der gewohnten Räumlichkeiten der Universität zu verhandeln. Die Generalproben in zwei Kanzleien waren für uns eine tolle Möglichkeit unser Können unter Beweis zu stellen. Dafür danken wir sehr herzlich den Rechtsanwälten der Kanzlei Ruge / Purrucker / Makowski in Kiel, sowie der Kanzlei Allen & Overy in Hamburg.

National Rounds 28. Februar – 3. März 2018

Als Heimteam war für uns die Anreise recht kurz – am Dienstagabend bezogen wir unsere Ferienwohnung, damit wir uns dort gemeinsam auf die jeweiligen Verhandlungen der nächsten Tage mit Hilfe der gegnerischen Schriftsätze vorbereiten konnten. Am Mittwochabend wurden die National Rounds in der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften an der Kieler Förde feierlich eröffnet. Im Anschluss haben wir voller Vorfreude die Schriftsätze unserer Mitstreiter entgegengenommen.

Die deutschen Vorrunden fanden im Landeshaus der Stadt Kiel statt – ein eindrucksvoller Veranstaltungsort. Die Administratoren organisierten sogar ein Modell eines autonomen Unterwasserfahrzeuges, the Egart, von dem GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und stellten es in der Eingangshalle aus. Am Donnerstagvormittag fand dann unser erstes Pleading im Schleswig-Holstein-Saal statt - unser Respondent gegen das Team der Universität Augsburg. Im Anschluss hatte unser Applicant seine erste Verhandlung gegen die Bucerius Law School im Plenarsaal.

Nach dem aufregendem ersten Tag folgten am Freitag die Verhandlungen gegen die Hertie School of Governance und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Direkt im Anschluss an das letzte Pleading machten wir uns auf den Weg zum Announcement-Dinner in der Business-Lounge der Sparkassenarena. Bei der Verkündung der acht Teams, die in die K.O.-Runden weitergekommen sind, wurde unsere Teamnummer leider nicht genannt. Unsere Enttäuschung konnten wir dann aber gemeinsam mit den anderen ausgeschiedenen Teams auf der Tanzfläche abschütteln. Dabei wurden viele neue Bekanntschaften geknüpft.

Am Samstag haben wir dann das Finale zwischen der Hertie School of Governance und der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rathaus mit Spannung verfolgt. Anschließend brachen wir zur Abschlussveranstaltung in die Halle 400 auf. Beim „Noerr Championship Dinner“ trafen wir noch einmal mit allen Teams und den Richtern zusammen und verbrachten einen aufregenden letzten Abend beim Gala-Dinner, später auf der Tanzfläche und mit vielen netten und interessanten Gesprächen.

 

Fazit

“Is there life after the Jessup?” –

Der Jessup war eine unglaublich intensive Zeit, die man nicht so schnell vergisst. Sechs Monate Zusammenarbeit im Team hat uns zusammengeschweißt und sehr viel Spaß gemacht. Die Teilnahme am Jessup Moot Court ist eine unvergleichliche Erfahrung, die so im Jurastudium sonst nicht möglich ist. Wir konnten uns umfassend mit verschiedenen Thematiken des Völkerrechts beschäftigen und haben so an fachlichem Wissen dazugewonnen. Darüber hinaus haben wir viele Menschen kennengelernt, sowohl Studenten aus ganz Deutschland als auch Richter des Internationalen Seegerichtshofs und Anwälte und Praktiker aus ganz Europa.

Für dieses einmalige Erlebnis sind wir sehr dankbar. Insbesondere möchten wir unseren Dank an unsere tollen Coaches Felix Telschow, Armine Usojan, Nathalie Zavazava und David Schenk richten. Ihr habt uns immer tatkräftig unterstützt und motiviert, eure Organisation war klasse und wir hatten eine einzigartige Zeit zusammen.

Weiterhin bedanken wir uns ganz herzlichen bei allen Mitarbeitern des Walther-Schücking-Instituts, die uns so eifrig bei der Vorbereitung unterstützt haben.

Zu guter Letzt gilt unser Dank den Sponsoren für ihre finanzielle Unterstützung.

Team besteht aus 5 Buchstaben!