Räume im Völker- und Europarecht (2012/2013)

Räume wirken sich maßgeblich auf die Entstehung, die Entwicklung sowie den Inhalt des Völker- und Europarechts aus. Das gilt in erster Linie für geographische Räume. Die internationalen Regeln für den Luft- und den Weltraum sind notwendigerweise andere als diejenigen für Landmassen oder für Seegebiete. Die Normen für Wüstengebiete sind nicht mit denjenigen für Polarzonen zu vergleichen. Und selbst die beiden Polargebiete unterscheiden sich nicht nur tatsächlich, sondern auch rechtlich voneinander: Das antarktische Vertragssystem ist deutlich weiter entwickelt als sein arktische Pendant.

Neben geographischen spielen seit jeher auch politische und wirtschaftliche Räume eine große Rolle. Die Europäische Union hat sich von einer Wirtschaftsgemeinschaft zu einer politischen Union entwickelt. Zahlreiche Staaten orientieren sich an ihrem Vorbild: Die Zahl der Freihandelszonen, Zollunionen, Gemeinsamen Märkte und anderer regionaler wirtschaftlicher Zusammenschlüsse wächst. Dasselbe gilt für internationale Organisationen mit politischer Zielrichtung. Diese wiederum orientieren sich in ihrer Arbeit nach außen zu einem großen Teil an geographischen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Die nach Räumen differenzierende Nachbarschaftspolitik der EU ist dafür ein anschauliches Beispiel.

Lange Zeit vom Völker- und Europarecht vernachlässigt wurden kulturelle Räume. Sie sind jedoch für die Fortentwicklung des internationalen Rechts nicht nur essentiell, sondern stellen es im Zuge der zunehmenden Globalisierung auch vor besondere Herausforderungen. Die meisten großen Konflikte der heutigen Zeit, etwa im Nahen Osten, im arabischen Raum, selbst innerhalb der Europäischen Union, sind zu einem Teil auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen. Eng mit den kulturellen hängen die rechtlichen Räume zusammen. Das Recht ist Bestandteil und Ausfluss der Kultur. Die zahlreichen und diversen Rechtsräume auf internationaler Ebene stellen gleichzeitig einen Reichtum und eine besondere Schwierigkeit in der Praxis der internationalen Beziehungen dar.

Die Zahl der Räume steigt dabei kontinuierlich. Neue Räume, wie etwa der Raum des „Cyberspace“, sind zu den klassischen Räumen hinzu getreten. Der technische Fortschritt lässt neuartige Räume entstehen, die zunächst durch ein rechtliches Vakuum geprägt sind. Sehr bald treten jedoch auch in diesen Bereichen erhebliche und sehr spezifische Probleme zutage, die mit Hilfe des Rechts, auch und insb. des Völker- und Europarechts, gelöst werden müssen. 

Angesichts der besonderen Rolle und der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Räumen im Völker- und Europarecht führt daher das Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht im Wintersemester 2012/13 und Sommersemester 2013 eine Ringvorlesung zu diesem Thema durch. Über zwei Semester werden die verschiedenen Räume sowohl aus völker- als auch aus europarechtlicher Perspektive beleuchtet. Aktuelle Entwicklungen stehen dabei im Fokus der Veranstaltungen.

Termine

Die Ringvorlesung findet wie aus den vergangenen Jahren gewohnt jeweils donnerstags in der Zeit von 18 Uhr c.t. bis ca. 20 Uhr im CAP2 (Audimax) Hörsaal K statt.  ACHTUNG: Vortrag am 11.07., 18.00 - 20.00 Uhr, Hörsaaländerung, NEUER Hörsaal: CAP 3 Hörsaal 1.

Datum Thema ReferentIn
Wintersemester 2012/2013
15.11.
Luft- und Weltraum: Völker- und Europarecht im Äther
Prof. Dr. Stephan Hobe, LL.M. (Universität Köln)
13.12. Die Antarktis – ein Kontinent jenseits der Souveränität
VLR Sönke Lorenz
(Auswärtiges Amt, Berlin)
24.01. Recht im virtuellen Raum: Die Rechtsordnung des Cyberspace
Prof. Dr. Udo Fink
(Universität Mainz)
07.02.
Sind Kulturräume noch zeitgemäß? – Bewahrung kultureller Identität im post-territorialen Zeitalter
Prof. Dr. Dagmar Richter
(Instytut Nauk Prawnych/Institute of Law Studies, Warschau)
Sommersemester 2013
18.04.
Die Nachbarschaftspolitik der EU: Mittelmeerraum und Osteuropa
Prof. Dr. Carsten Nowak
(Universität Frankfurt/Oder)
16.05.
Wirtschaftsräume: Freihandelszonen, Zollunionen und Gemeinsame Märkte
Prof. Dr. Wolfgang Weiß
(Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer)
13.06.
Politische Räume im Völkerrecht
Prof. Dr. Andreas von Arnauld
(Universität Münster)
11.07. Rechtsräume im Völkerrecht und transzivilisatorische Völkerrechtsperspektive 
ACHTUNG Hörsaaländerung: CAP 3 - HS 1 !!
Prof. Dr. Stefan Oeter
(Universität Hamburg)