Team 2016

Der im Jahr 1959 begründete, völkerrechtlich ausgerichtete Philip C. Jessup International Law Moot Court ist der weltweit größte und älteste internationale Studierendenwettbewerb. Jedes Jahr nehmen daran  etwa 1500 Studierende von über 550 Universitäten teil. Die Veranstaltung wird alljährlich von der International Law Students Association (ILSA) organisiert. Auch wir, als Team an der Christian-Albrechts-Universität, haben am Jessup International Law Moot Court 2015/2016 teilgenommen.

Der fiktive Fall, der in diesem Durchgang einige hochaktuelle völkerrechtliche Probleme, etwa die Legalität und Legitimität von Massenüberwachung, diplomatische Immunitäten, präventive Verhaftungen im Rahmen der Terrorismusbekämpfung und die Rechtmäßigkeit von Cyber-Attacken behandelte, wurde innerhalb Deutschlands von studentischen Teams an 21 Universitäten aufgearbeitet. Dabei galt es zunächst, ab September 2015, Schriftsätze und in einer zweiten Phase, ab Januar 2016, mündliche Plädoyers für sowohl Anklage (Applicant) als auch Verteidigung (Respondent) auszuarbeiten.

Besondere Schwierigkeiten hielt die Arbeit an dem Fall dadurch bereit, dass das Verfahren angelehnt an die Praxis des Internationalen Gerichtshofs, fernab von bekannten Strukturen aus dem deutschen Jurastudium, ablief. Dies erforderte zum Einen eine intensive Einarbeitung in die englische juristische Fachsprache und zum Anderen eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Präzedenzfällen und einer Vielzahl unterschiedlich gestalteter und gewichteter Rechtsquellen. Hierbei profitierten wir enorm von der freundlichen Hilfe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Jahren und im Besonderen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Walther-Schücking-Instituts, die uns sehr engagiert und geduldig unterstützt haben.

Nachdem unser Team sich zusammengefunden hatte, war das Ziel zeitnah einen ersten Entwurf der Schriftsätze, der sogenannten Memorials, die aus jeweils vier „Claims“ bestehen, anzufertigen um auf dieser Basis die Arbeit zu vertiefen. Schnell wuchs der Druck, doch auch die Routine wurde größer - in wöchentlichen Intervallen wurden die Claims von diversen Unterstützern Korrektur gelesen und wir verbrachten die Zeit im Büro damit, einerseits bereits Geschriebenes zu ändern, andererseits auch neue Gedanken einzuarbeiten und unsere Argumente zu verbessern. Neben den Anstrengungen, die das Schreiben der Claims für uns bereithielt, kam es allerdings auch rasend schnell dazu, dass wir im Team zusammenwuchsen und trotz des Stresses gerne ins Büro kamen und uns jeden morgen aufs Neue in die Arbeit stürzten.

Nachdem wir Mitte Januar die Arbeit an den Claims beendet hatten, stand als Teambuilding-Maßnahme ein Kurzurlaub in Barcelona an, bevor wir mit den Vorbereitungen für die mündlichen Verhandlungen begannen. Dafür simulierten wir täglich mehrere Verhandlungen, wobei uns einmal mehr die ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sowie die Institutsmitarbeiterinnen und Institutsmitarbeiter als „Judges“ zur Seite standen. Durch die stetige Übung lernten wir fundiert und schlagfertig auf komplizierte Fragen zu antworten und trotz der Stolpersteine der Richterbank den Verlauf des Plädoyers zu kontrollieren ohne unsererseits kontrolliert zu werden.

Auf dem Höhepunkt unserer mündlichen Vorbereitungen fuhren wir für ein Wochenendseminar nach Sehlendorf in Schleswig-Holstein, um frei von äußeren Einflüssen mit unserem Coach Thomas Hoppe und den letztjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglichst viel Routine zu entwickeln. Sobald wir eine große Sicherheit bei der Präsentation entwickelt hatten, bekamen wir die Möglichkeit uns institutsextern in zwei deutschen Großkanzleien (Allen & Overy in Frankfurt am Main und Gleiss Lutz in Hamburg) zu beweisen. Die außergewöhnliche Drucksitation, vor dieser sehr professionellen Kulisse, half uns weiter Sicherheit zu bekommen und große Fortschritte zu machen, wofür wir beiden Kanzleien sehr dankbar sind.

Nach über vier Monaten der Vorbereitung, konnten wir letztendlich mit einem guten Gefühl in den ICE nach München steigen und brannten darauf, endlich die Teams kennenzulernen und herauszufordern, die die gleichen Hoch- und Tiefphasen mitmachen und Erfahrungen sammeln konnten wie wir.

Die Stimmung in München war keineswegs geprägt von großem Konkurrenzkampf, sondern im Gegenteil sehr freundlich und offen. Bereits bei der Welcome Reception konnten von allen Teammitgliedern die ersten Bekanntschaften geschlossen werden, wenngleich die Nervosität vor den am nächsten Tag beginnenden Vorrunden den Abend früh enden ließ.

Es wurde direkt im Anschluss ernst. Mit den zuvor ausgeteilten Memorials unserer gegnerischen Teams für die Vorrunde (München, Düsseldorf, Tübingen und FU Berlin) zogen wir uns in unser Hotel zurück und brüteten bis tief in die Nacht über den Strategien für die Verhandlungen der nächsten zwei Tage.

Unsere Matches, vor prominenten Völkerrechtlerinnen und Völkerrechtlern als Richterinnen und Richter, gegen starke Gegner liefen für uns durchweg zufriedenstellend. Dennoch erfuhren wir leider beim Announcement Dinner am Freitag im Ratskeller, dass es für uns nicht für den Einzug ins Viertelfinale gereicht hatte. Dennoch überwiegte die Enttäuschung nicht, denn die Entscheidungen gegen uns fielen immer sehr knapp aus, was uns gezeigt hat, dass wir mit den anderen Teams auf Augenhöhe konkurrierten.

Den nächsten Tag konnten wir dementsprechend nutzen, um uns ein wenig die Stadt anzusehen und nachmittags dem beeindruckenden Finalmatch zwischen der Bucerius Law School und der LMU München unter den Augen bayerischer Könige in einem der Prachtsäle der Münchener Universität beizuwohnen.

Abends wurden die Sieger des deutschen Vorentscheid bekanntgegeben, die die Qualifizierung für die International Rounds in Washington erstritten hatten. Zu unserer Freude erfuhren wir als Kieler Team eine besondere Ehre: Wir wurden von den anderen teilnehmenden Teams mit dem „Spirit of the Jessup Award“ für unser überragendes Engagement und Fairness im Wettbewerb ausgezeichnet. So konnten wir unsere Jessup-Zeit mit einem beachtlichen Erfolg krönen.

 

Für eine tolle Zeit bedanken wir uns herzlich bei allen unseren Sponsoren, unseren Unterstützerinnen und Unterstützern, die unglaublich viel Zeit und Geduld für die Korrektur unserer Memorials und für das Coaching in der mündlichen Phase aufgewendet haben, dem Walther-Schücking-Institut und ganz besonders unseren Student-Coaches Liv Christiansen, Felix Telschow und Torben Herber. Ausdrückliche Erwähnung soll natürlich auch Thomas Hoppe erfahren, der fast ein halbes Jahr der Patriarch unserer kleinen Jessup-Familie war und der stets Ordnung in das Chaos gebracht hat.

 Team2016

Von links nach rechts: Marvin Schwope, Mustapha Barry, Henning Büttner, Mareike Nürnberg und Felix Telschow (Student-Coach)