Team 2014

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Der Philip C. Jessup Moot Court ist der größte internationale Moot Court Wettbewerb weltweit. Jährlich nehmen mehr als 500 Teams von Universitäten aus über 80 verschiedenen Ländern teil, um ihr Können und ihre Kreativität beim Lösen eines fiktiven Falles vor dem Internationalen Gerichtshof unter Beweis zu stellen. Der Fall enthält viele unterschiedliche völkerrechtliche Probleme, die zum einen aus dem allgemeinen Völkerrecht stammen, aber auch viele spezielle Probleme der zwischenstaatlichen Beziehungen aufgreifen.

Jedes Team vertritt sowohl die Klägerseite (Applicant) als auch die Beklagtenseite (Respondent). Hierzu muss das Team für beide Seiten englischsprachige Schriftsätze (Memorials) ausarbeiten. Den Höhepunkt des Wettbewerbs bilden dann die ebenfalls englischsprachigen mündlichen Verhandlungen, in denen die Teams vor einer Richterbank bestehend aus renommierten Völkerrechtlern gegeneinander antreten und von jedem Richter bewertet werden. In vielen Ländern – so auch in Deutschland – beginnt der Wettbewerb mit einem nationalen Vorentscheid, bei dem sich die Teams für die internationale Ausscheidung in Washington, D.C. qualifizieren können. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, dessen Team seit jeher vom Walther-Schücking-Institut betreut wird, hat eine sehr lange Teilnahmetradition und gehört neben den Universitäten Heidelberg und Jena zu den erfolgreichsten teilnehmenden Teams. Im Folgenden wird kurz erläutert, wie die diesjährige Moot Court-Teilnahme im Einzelnen verlief.

Bereits im Juni veranstaltete das Walther-Schücking-Institut für alle Interessierten eine einstündige Infoveranstaltung, bei der der Jessup Moot Court ausführlich vorgestellt wurde. Zudem wurden Teilnehmer und Coaches des vergangenen Jahres eingeladen, um von ihren persönlichen Erfahrungen zu berichten und Fragen der Interessenten zu beantworten. Kurz darauf wurde der Try-Out-Fall veröffentlicht. Dieser kurze Fall hatte nichts mit der Problematik des späteren Jessup Falles zu tun, und es wurde auch keine perfekte und umfassende Lösung verlangt. Vielmehr sollte jeder Bewerber zeigen, dass er sich mit einem völkerrechtlichen Problem auseinander setzen kann und Eigeninitiative zeigt. Hierfür sollte der Bewerber einen zehnminütigen Vortrag auf Englisch vorbereiten, gefolgt von einer kurzen Diskussion. Schon beim Bearbeiten des Try-Out-Falles wurde schnell klar, dass eine der Hauptschwierigkeiten darin lag, sich auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren, da es schlicht unmöglich war, in diesem kurzen Zeitraum sämtliche problematischen Aspekte zu präsentieren. Dies sollte sich auch schon bald als eine der größten Herausforderungen des kommenden halben Jahres herausstellen. 

Das diesjährige Team der Christian-Albrechts-Universität bestand aus vier Studierenden der Rechtswissenschaften aus unterschiedlichen Semestern: Anne-Friederike Mildenstein, Lisa Vidal, Christoph Beinlich und Benjamin Jüdes.

Team 2014
Das diesjährige Team aus Kiel, v.l.n.r.: Felix Sachtleben, Marlitt Brandes, Christoph Beinlich, Anne-Friederike Mildenstein, Benjamin Jüdes, Lisa Vidal und Erik van Doorn.

Am 17. September 2013 erschien der Sachverhalt (Compromis), eine fiktive Vereinbarung zwischen den „Staaten“ Amalea und Ritania, die ihre Streitigkeiten vor dem Internationalen Gerichtshof klären wollten. Der Compromis hatte einen Umfang von 21 Seiten und enthielt eine Fülle an Fakten, die es beiden Parteien ermöglichten, ihre jeweilige Position mit plausiblen Argumenten vertreten zu können. Der Sachverhalt war dabei so konzipiert, dass in beide Richtungen argumentiert werden konnte und es somit keine eindeutige Gewinner- und Verliererseite gab. Vielmehr hatte jede Seite die Möglichkeit, mit Wissen und Argumentationsgeschick von ihrem Standpunkt zu überzeugen.

Der diesjährige Compromis hatte starken Bezug zum Seerecht. Zwischen den Staatsgebieten der Parteien verlief eine Meeresenge. Die den Parteien zustehenden Rechte in den sich überschneidenden Meereszonen wurden durch einen bilateralen Vertrag festgelegt, den Malachi Gap Treaty. Die dem Internationalen Gerichtshof vorgelegten Streitigkeiten behandelten zum einen das Sterben des Dorian Wrasse, eines bedeutenden Fisches für Amaleas Bevölkerung und Wirtschaft. Fraglich war, ob das Sterben durch einen vorausgegangenen Erdrutsch verursacht wurde, und ob es einen umweltvölkerrechtlichen Anknüpfungspunkt gibt für eine Entschädigungsverpflichtung seitens Ritania. Zum anderen sollten die Rechte an einem vor über 500 Jahren untergegangenen Schiff, dessen Wrack sich im Bereich des Malachi Gap befand, und den darauf befindlichen Artefakten geklärt werden. Des Weiteren wurde dem Gerichtshof die Frage über die Rechtmäßigkeit der Verurteilung eines ritanischen Bürgers seitens Amalea aufgrund seiner Verursachung des tödlichen Unfalles eines Kreuzfahrtschiffes unter der Flagge von Amalea und die Verpflichtung zur Auslieferung an Ritania vorgelegt.

Dank der hervorragenden Recherchemöglichkeiten am Walther-Schücking-Institut konnte sich das Team schnell einen guten Überblick über die einschlägigen Rechtsgrundlagen verschaffen.

Am 13. Januar 2014 konnte die schriftliche Arbeit nach unzähligen im Institut verbrachten Nächten schließlich beendet werden, sodass die Memorials gedruckt und abgeschickt werden konnten. Kurz darauf begann schon die Vorbereitung für die mündliche Verhandlung, welche dieses Jahr in Trier stattfand. Bei der nationalen Vorausscheidung, den National Rounds, trat jede teilnehmende Universität gegen vier andere deutsche Universitäten an, wobei zweimal der Kläger und zweimal der Beklagte seine Position vertreten musste. Erstmals in diesem Jahr eingeführt, fand sodann ein Achtelfinale statt. Die vier bestplatzierten Teams traten dann noch einmal im Halbfinale und die jeweiligen Sieger der Halbfinale im Finale gegeneinander an. Die zwei Finalisten qualifizierten sich hierbei für die internationale Ausscheidung, die International Rounds in Washington, D.C. Im diesjährigen Finale besiegte die Universität Heidelberg die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von insgesamt 19 teilnehmenden Universitäten hat das Team der CAU in diesem Jahr den dritten Platz in der Bewertung der Memorials erreicht. In der Gesamtbewertung erreichte es Platz 17.

Die Teilnahme am Philip C. Jessup Moot Court ist neben einem Auslandsaufenthalt die schönste Erfahrung, die man während des Studiums machen kann. Neben dem Völkerrecht lernt man insbesondere wissenschaftliches Arbeiten sowie das Arbeiten im Team und gewinnt Durchhaltevermögen. Das Walther-Schücking-Institut hat uns dabei das halbe Jahr über mit aller Kraft unterstützt. Wir erhielten unser eigenes Büro und uneingeschränkten Zugang zu den Ressourcen der Bibliothek. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter sowie ein ehemaliger Teilnehmer standen uns während der gesamten Zeit als Coaches zur Seite und viele andere Mitglieder des Instituts – ob Mitarbeiter oder ehemalige Teilnehmer – haben uns mit Rat und Tat unterstützt.

Das Kieler Moot Court Team 2013/14 möchte sich an dieser Stelle insbesondere bei ihren drei Coaches Marlitt Brandes, Felix Sachtleben und Erik van Doorn für ihre Zeit, ihren Rat und ihre grenzenlose Geduld bedanken. Nicht nur zu jeder Tages- und Nachtzeit standen sie dem Team zur Seite, sondern haben vor allem auch an uns geglaubt. Außerdem möchten wir uns recht herzlich bei Prof. Dr. Kerstin von der Decken, Prof. Dr. Nele Matz-Lück und Prof. Dr. Andreas von Arnauld sowie allen Mitarbeitern des Instituts für die Unterstützung bedanken, die eine Teilnahme an diesem Moot Court erst möglich machte. Ein weiterer Dank gilt zudem allen anderen Freiwilligen, die sich für das Üben der mündlichen Vorträge viel Zeit nahmen.

Schließlich wäre unsere Teilnahme ohne die großzügige finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen. Wir danken daher herzlich unseren Sponsoren,

Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ CAU zu Kiel

Weissleder Ewer                       Peter Kölln KGaA                                  Rotary Club Kiel

Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung              Alumni