Team 2020

 

Der Philip C. Jessup International Law Moot Court fand erstmals 1959 statt und ist der teilnehmerreichste und älteste völkerrechtliche Moot Court der Welt. Etwa 1.500 Studierende von über 700 Universitäten nehmen jährlich daran teil, so auch das Walther-Schücking-Institut (WSI) für Internationales Recht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

 

Jessup Team 2020

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer („Mooties“) 2020:

Oben; v.l.n.r.: Lea Mareike Broekmann, Lukas Jürgensen & Fabian Richter.

Unten; v.l.n.r.: Lea-Carlotta Laux & Christoffer Soyka.

 

Vorbereitungen

Am 20. September 2019, eine Woche später als angekündigt, veröffentlichte die International Law Students Association endlich den von uns heiß ersehnten „Case Concerning the Helian Hyacinth“. Der Sachverhalt betraf völkerrechtliche Streitigkeiten zwischen den beiden fiktiven Staaten Adawa (Applicant) und Rasasa (Respondent).

So stritten die Staaten über die Nachfolge des einen Staates in ein von seinem Vorgänger geschlossenes Waffenstillstandsabkommen, welches die Jurisdiktion des Internationalen Gerichtshofes begründete, sowie um die Völkerrechtskonformität eines autonomen Waffensystems, das in einer Grenzregion gegen private Milizen eingesetzt wurde. Streitgegenstand war weiter die Erhebung von Zöllen auf Erzeugnisse der wertvollen namensgebenden Hyazinthen, der „Helian Hyacinth“, die ausschließlich in der fiktiven Region „Crosinia“ vorkommen. Darüber hinaus ging es um die Rechtmäßigkeit der Festnahme der Außenministerin von Rasasa durch Adawa auf Grundlage eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofes.

Der Fall ermöglichte uns die Auseinandersetzung mit diversen, spannenden und aktuellen völkerrechtlichen Problematiken, z.B. mit dem Recht der Staatennachfolge in Verträge, Menschenrechten, Humanitärem Völkerrecht, dem Umgang mit autonomen Waffensystemen, multi-fora litigation, internationalem Wirtschaftsrecht und dem Spannungsverhältnis von Immunitäten und Auslieferungsverpflichtungen.

Von September bis Mitte Januar arbeiteten wir fast täglich an unseren Schriftsätzen. Während wir – zugegebenermaßen – etwas gemäßigter starteten (drei der Teammitglieder hatten bis dato keine völkerrechtlichen Vorkenntnisse), wurde insbesondere die Zeit ab Dezember äußerst intensiv. Bis zur Abgabe der Schriftsätze am 13. Januar 2020 verbrachten wir so manche Nacht am Institut, was uns als Team enger zusammenwachsen ließ.

Nach einer kurzen Erholungsphase ging es mit dem zweiten Teil des Wettbewerbs – den Vorbereitungen für die mündlichen Verhandlungen – weiter. Jeden Tag trugen wir unsere Plädoyers vor Mitarbeiter*innen und Freund*innen des Walther-Schücking-Instituts vor, die für uns als Richter*innen agierten. Durch diesen Input konnten wir unsere Recherchen zielgerichtet fortführen und unser Plädoyer täglich verfeinern. Ende Februar fuhren wir für ein Intensiv-Wochenende in das mit der juristischen Fakultät verbundene Otto-Bagge-Kolleg in Sehlendorf. Dies war äußerst lehrreich und half uns, an einzelnen Schwachpunkten gezielt zu arbeiten, wobei der Spaß nie zu kurz kam.

Kurz vor Beginn des Wettbewerbs durften wir unser Können in der Kieler Kanzlei Dres. Ruge Purrucker Makowski RPM unter Beweis stellen. Die Möglichkeit, außerhalb der gewohnten Wände des Instituts seine Plädoyers vorstellen zu können, war eine besondere Erfahrung und spätestens ab diesem Zeitpunkt merkten wir, dass der Wettkampf kurz bevorstand. Eine öffentliche Generalprobe fand in den Räumlichkeiten des Walther-Schücking-Instituts statt. Wir möchten uns herzlich bei Frau Prof. von der Decken, Herrn Prof. Becker und Frau Christiansen, sowie Herrn Dr. Vahl, Herrn Lück und Herrn Dr. Kornmacher sowie dem gesamten Walther-Schücking-Institut für ihr wertvolles Feedback, ihr Engagement und ihre Zeit bedanken.

Diese intensive mündliche Phase hat uns ermöglicht, mit dem Gefühl, gut vorbereitet zu sein, nach Göttingen zu fahren.

 

National Rounds vom 04. bis 07. März 2020 in Göttingen

Wir reisten bereits am Dienstag, den 03. März, mit dem Zug an, um in Ruhe unsere Pension beziehen zu können sowie Göttingen zu erkunden. Am Mittwochabend wurden die deutschen National Rounds schließlich bei einem Empfang im Rathaus feierlich eröffnet (Welcome Reception). Der Höhepunkt des Abends bestand in der Verkündung der Paarungen der zwei kommenden Tage. Zurück in der Pension wurden die gegnerischen Schriftsätze gesichtet, um sich ideal auf die Verhandlungen vorbereiten zu können.

Die Vorrunden wurden in einem Gebäude der Georg-August-Universität Göttingen ausgetragen. Am Donnerstagvormittag fand das erste Pleading gegen das Applicant Team der Universität Passau statt, nachmittags trat unser Applicant gegen das Team der Universität Leipzig an. Die Verhandlungen am Donnerstag gaben uns ein gutes Gefühl und so starteten wir mit viel Motivation in die Verhandlungen am Freitag. Morgens trat unser Respondent gegen die Ruhr-Universität Bochum an und nachmittags traf unser Applicant auf das Team der Humboldt-Universität zu Berlin.

Gespannt warteten wir am Freitagabend beim Announcement-Dinner auf die Verkündung der Teams, die sich für das Viertelfinale qualifiziert hatten. Leider wurde unsere Teamnummer nicht aufgerufen, was nach einem halben Jahr Arbeit sowie spannenden und anspruchsvollen Pleadings während des Wettbewerbs sehr enttäuschend war. Dennoch gab uns die anschließende Party die Möglichkeit, auf andere Gedanken zu kommen und andere Teams und die Judges näher kennenzulernen.

Am Samstag besuchten wir sowohl das Halbfinale als auch das Finale, welches – dem Anlass angemessen und eindrücklich von der Atmosphäre her – in der Bibliothekshalle der Paulinerkirche stattfand. Im Final konnte sich die Bucerius Law School (Hamburg) gegen die Hertie School of Governance (Berlin) durchsetzen. Das abendliche Championship Dinner war ein gelungener Abschluss der gesamten Veranstaltung.

 

Jessup Team 2020 Championship Dinner

Das Team 2020 (Championship Dinner):

V.l.n.r.: Nora Harder (Coach), Henning Büttner (Coach), Fabian Richter (Teilnehmer), Nele Danschacher (Studentcoach), Lea Mareike Broekmann  Teilnehmerin), Lilo Rösch (Studentcoach), Lea-Carlotta Laux (Teilnehmerin), Lukas Jürgensen (Teilnehmer), Alexander Grimmig (Studentcoach), Christoffer Soyka (Teilnehmer).

 

Fazit

Der Jessup Moot Court war für uns alle eine sehr intensive und unvergessliche Zeit. Jeden Tag über Monate hinweg eng im Team zusammenzuarbeiten hat uns vor Herausforderungen und unsere Konfliktfähigkeit auf die Probe gestellt, aber auch zusammengeschweißt. Und am Ende steht eine Erkenntnis: Im Team kann ich das schaffen, was ich alleine nicht kann!

Es war herausfordernd aber stets lehrreich, sich so intensiv mit bestimmten völkerrechtlichen Fragestellungen beschäftigen und darüber austauschen zu dürfen. Darüber hinaus konnten wir unsere Fremdsprachenkenntnisse und rhetorischen Fähigkeiten enorm erweitern – solch eine Möglichkeit hätte sich im Studium sonst nicht geboten. Jedes Teammitglied konnte sich persönlich weiterentwickeln.

Wir möchten uns für diese Erfahrung herzlich bei unseren Coaches bedanken. Henning Büttner, Nora Harder, Nele Danschacher, Lilo Rösch und Alexander Grimmig; danke, dass ihr immer an uns geglaubt habt, uns stets bestärkt habt und jedem Teammitglied die Unterstützung gegeben habt, die im konkreten Moment notwendig war. Auch, wenn es uns manchmal schwerfiel, euch zu glauben, wenn es hieß: „Ihr habt wirklich Potenzial!“, habt ihr uns stets neu motivieren und unseren Kampfgeist entfachen können. Wir schätzen sehr, wie viel Zeit und Mühe ihr investiert habt! Und wir freuen uns, unsere Erfahrungen an kommende Teams weitergeben zu dürfen.

Unser Dank gilt außerdem den Professor*innen und Mitarbeiter*innen des Walther-Schücking-Institutes für ihre vielfältige Unterstützung bei der Vorbereitung des Wettbewerbs sowie unseren Sponsoren der Brunswiker Stiftung sowie dem Alumni und Freunde der CAU e.V. für die großzügige finanzielle Unterstützung, ohne die eine solch gründliche Vorbereitung und umfassende Weiterbildung nicht möglich gewesen wäre.

 

Jessup Team 2020 Welcome Reception

Das Team 2020 (Welcome Reception):

Oben; v.l.n.r.: Christoffer Soyka (Teilnehmer), Lea-Carlotta Laux (Teilnehmerin), Lukas Jürgensen (Teilnehmer) & Nora Harder (Coach).

Unten; v.l.n.r.: Henning Büttner (Coach), Fabian Richter (Teilnehmer), Lea Mareike Broekman  (Teilnehmerin), Lilo Rösch (Studentcoach) & Nele Danschacher (Studentcoach).

Es fehlt: Alexander Grimmig (Studentcoach).