100 Jahre "Frieden durch Recht": Das Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht

von Prof. Dr. Andreas von Arnauld

Neue Kommunikationstechnologien und eine Intensivierung des Welthandels durch immer schnellere Transportwege verändern unsere Vorstellungen von Raum und Zeit. Sie lassen die Welt enger zusammenrücken. Wir bezeichnen dieses Phänomen heute als ‚Globalisierung’ und sehen in ihm eine Diagnose unserer Gegenwart. Es beschreibt aber auch die Gegenwart zu Beginn des 20. Jahrhunderts: drahtlose Telegraphie und Unterseekabel, internationale Harmonisierung von technischen Standards und von Vertragsklauseln sowie eine ungeahnte Ausweitung des Seeverkehrs eröffneten am Ende des langen 19. Jahrhunderts eine neue Welt.[1] Sie gaben 1912 auch den Impuls für das Projekt dreier Kieler Gelehrter – des Juristen Theodor Niemeyer, des Geographen Leonhard Schultze und des Ökonomen Bernhard Harms –, an der Christian-Albrechts-Universität ein ‚Königliches Institut für Wissenschaft des Weltverkehrs’ zu gründen. Nach dem Weggang Schultzes aus Kiel im Januar 1913 scheiterte der Plan eines gemeinsamen Instituts; Harms und Niemeyer gingen getrennte Wege. In dem gemeinsamen Plan aber liegen die Ursprünge des heutigen Instituts für Weltwirtschaft und des Walther-Schücking-Instituts für Internationales Recht.